Du

Die Freiheit kommt mit dem Unbekannten. Mit dem Koffer an der einen und der Strassenkarte in der anderen Hand.

Du fragst, ob es mir hier gefällt und ich sage Ja, obwohl ich Nein meine, und du nickst und sagst, es sei eben schon eine grossartige Stadt. Nein. Ist es nicht.

Weiter.

Landschaft zieht am Fenster vorbei und du fragst, warum ich hier bin. Ich verrate dir, dass ich es nicht weiss. Ich kann ehrlich zu dir sein. Wir werden uns nie wieder sehen.

Du sitzt mir gegenüber, und fragst, wo in Asien es am schönsten ist. Ich zucke mit den Schultern. Du schnaubst, es sei ja heutzutage sowieso egal, wohin man ginge, es sähe ja überall gleich aus. Globalisierung und so.

Du bist älter und kleiner als ich. Du streichst dir dein langes Haar aus dem Gesicht und erzählst, dass es schwierig sei, Lehrerin zu sein, wenn alle Schüler grösser sind als du, und eigentlich zu dir hochschauen sollten.

Du ziehst mich mit dir durch die Strassen. Wir drücken uns durch die Menge. Wir sind da, wo du deiner Freundin versprochen hast, nicht hin zu gehen. Rotes Licht und Frauen hinter Glas. Wir werden uns nie wieder sehen.

Du lächelst, und verrätst mir deinen Namen. Deine Hände sind rau. Ich fröstle und höre dem Meeresrauschen zu. Deine Bartstoppeln kitzeln meine Stirn, als du bemerkst, dass man vor lauter Wolken die Sterne nicht sehen kann.

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