Sommer ist von gestern

Spätestens wenn man die Wollsocken wieder aus der Schublade nimmt, ist der Sommer vorbei. Der Fakt, dass besagte Wollsocken schon anfangs September wieder an meine Füsse wandern weist auf diverse Seltsamkeiten im Klima hin, aber das ist jetzt eigentlich nicht mein Thema.

Der Sommer ist vorbei. Und ich bin so froh.

Wieder den ganzen Tag drinnen herumhocken und in ein Buch starren, oder mir Buchstaben aus dem Gehirn klauben. Tee trinken ohne gleich in Hitzewallungen zu verfallen. Netflix-Marathon ohne tatsächliche Schweisstropfen.

Überhaupt lässt sich alles besser bewerkstelligen in der Abwesenheit hoher Temperaturen. Schreiben ganz besonders. Bei grosser Hitze habe ich das Gefühl, das mein Gehirn ein bisschen schmilzt, und das fühlt sich relativ beschissen an. Aber ich habe über den Sommer trotzdem an der Tastatur gesessen. Nur getippt habe ich langsamer. Gedacht auch.

Aber jetzt regnet es, die Tropfen schlagen an die Scheiben, wie wütende, kleine Mäusefäuste. Ich bin ganz zen.

Es ist Herbst.

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Jemand anders – Home from Home

Es ist ein dumpfer Moment, wenn du erkennst, dass die Stadt, die du die letzten Jahre hinweg in liebender Erinnerung behalten hast, eigentlich ziemlich langweilig ist.

Ich bin mit einer Freundin hier. Als wir noch jünger waren, frisch ins Teeniealter gestolpert, waren wir oft hier. Doch damals waren wir noch jemand anders.
Wir waren leicht zu beeindrucken, hatten doch noch kaum etwas von der Welt gesehen. Es war Sommer und wir verbrachten Wochen in abgelegenen Dörfern irgendwo in Österreich um zu schreiben.

Wie klammerten uns an die Inspiration, die immer mal wieder vorbeischaute, aber uns so oft durch die Finger zu gleiten schien. Wir lasen uns Geschichten vor, mit mehr oder weniger fester Stimme, uns wappnend vor Kritik. Und zwischen all dem wurden unsere Freundschaften enger, bedeutender.

Wir wuchsen zwischen Worten und Absätzen, legten jede Zeile auf die Goldwaage. Erzählten uns von wilden Träumen und Geschehnissen, aber stets darauf bedacht keine billigen Phrasen zu verwenden. Ausgemerzte Füllwörter zwischen nächtlichen Geständnissen und frühmorgendlichem Frust.

Zusammen wurden wir, wer wir sind.

Bildquelle: Costel Slincu

Ein Kuss auf kaltes Glas – Home from Home

“Yes, death. Death must be so beautiful. To lie in the soft brown earth, with the grasses waving above one’s head, and listen to silence. To have no yesterday, and no to-morrow. To forget time, to forget life, to be at peace. You can help me. You can open for me the portals of death’s house, for love is always with you, and love is stronger than death is.”

― Oscar Wilde, The Canterville Ghost

Melancholie liegt wie Nebel in der Luft. Ich habe noch nie so einen grossen Friedhof gesehen. Wir irren zwischen den zahllosen Gräbern hindurch. Es ist schmerzlich schön hier, jedes Grab ist ein Kunstwerk.

Es ist still. Nach Paris‘ Lärm scheint das Ausbleiben lauter Geräusche in meinen Ohren fast zu brummen.

Ein Grab fällt mir auf. Frische Blumen stehen davor, ein wilder Farbklecks zwischen all dem grauen Stein. Ich trete ein wenig näher. Edith Piaf.

Ich bleibe einen Moment stehen und mir fällt wieder ein, was ich eigentlich wollte. Glücklicherweise hat meine Freundin mitgedacht, und den Friedhofsplan fotografiert.

„Wir müssen da lang“, sagt sie, und ich folge ihr einfach, wie ich es schon seit Tagen tue.

Ein paar Meter davon entfernt erkenne ich es sofort und eine Welle der Enttäuschung erfasst mich: Um das berühmte Monument Oscar Wilde’s steht eine Glaswand. Der Sockel, früher über und über mit roten Küssen gezeichnet, ist von einem makellosen grau.

Ich gehe näher, umrunde das Grab. Lose Rosen liegen hinter der Glaswand. Ein Stück Papier, dessen Aufschrifkissest fast verblasst ist: Thank you so much

Einige Rebellen haben sich wohl hochheben lassen und den Grabstein doch geküsst. Ich muss ein bisschen lachen. Es ist niemand da, der mich hochheben könnte, und einen Fremden zu fragen, traue ich mich nicht.

Ich nehme einen kleinen Spiegel und meinen liebsten Lippenstift aus meiner Tasche. Ich schminke mir die Lippen in einem dunklen rot und suche mir eine Stelle, inmitten von anderen roten Abdrücken.

Und dann küsse ich kaltes Glas.

3 Fragen an… Jennifer Benkau

Hallo, ihr Lieben 

Letzthin hatte ich eine Idee zu einer neuen Artikelreihe namens „3 Fragen an…“.

Worum es da geht, ist wohl ziemlich offensichtlich: Ich stelle 3 Fragen an eine spezielle Person. Es wird sich bei den Fragen meist um Träume, Motivation etc. handeln. Mich persönlich inspiriert es immer ungemein, von den Erfahrungen und Wünschen anderer zu hören, und ich hoffe es geht dir genau so.

Also, los geht’s :)Jennifer Benkau

Den Anfang machen wir mit der Autorin Jennifer Benkau.

Jennifer schreibt paranormale Liebesromane, die sehr vielfältig sind. Ihre Bücher handeln von düsteren Fabelwesen (Nybbas Träume), Märchen (Marmorkuss), Vampiren (Stolen Mortality) bis hin zu Dystopien (Dark Canopy). Und wer sich mit Paranormalem nicht ganz anfreunden kann, darf sich auf Jennifers erstes Buch ganz ohne Phantastik freuen (Auf Rosen bedacht)

Gab es einen Auslöser, der dir den Kick gab endlich deinem Traum Schriftstellerin zu sein, zu folgen?

Der Auslöser war eine meiner Geschichten – Stolen Mortality. Die zu erzählen war mir wahnsinnig wichtig und da war es naheliegend, die zuvor herumtaumelnde Idee, Schriftstellerin zu werden, endlich beim Schlawittchen zu packen und das ganze durchzuziehen. Was dann – nach viel harter Arbeit – auch geklappt hat!

Was machst du, wenn du mal keinen Bock zum Schreiben hast? Wie motivierst du dich?

Wenn ich absolut keinen Bock habe, lasse ich die Arbeit liegen und arbeite dann ein oder zwei Wochen später halt das doppelte Pensum. Ich merke meinen Texten an, wenn ich sie ohne Bock geschrieben habe, und das Ergebnis gefällt mir nicht. Viele mögen ja behaupten, Schriftsteller bräuchten Disziplin … ich komme bisher ganz gut ohne aus

Was war der bisherig schönste Moment in deiner Karriere?

Der bisher schönste Moment in meiner Karriere war vermutlich die Lesung in der Buchhandlung Wortspiel in Niedersachsen. Die war nicht nur super besucht und wahnsinnig inspirierend, ich habe auch eine kleine Stoffratte geschenkt bekommen und mein „Covergirl“ Joy als lebensgroße Holzfigur. Die Mühe, die die Veranstalterinnen sich für mich gemacht haben, hat mich überwältigt.

An dieser Stelle vielen Dank an Jennifer Benkau, die sich meiner Neugier gestellt hat ;)

Wie findest du die neue Reihe? Hast du vielleicht sogar einen Wunsch, wen ich noch befragen soll?

Schreib mir doch in den Kommentaren :)

Liebe Grüsse,

Fatima

 

Quelle Autorenfoto:  Fabian Stürtz | © script5.de

Titelbild: https://www.flickr.com/photos/118118485@N05/

Inspiration und Ideenfindung

„Ich würde ja gerne schreiben, aber mir fällt nichts ein…“

„Wie kommt man bloss auf solches Zeug“

„Mir würde sowas ja nie einfallen“

….eine kleine Auswahl von Dingen, die wir sagen, wenn wir irgendwo im Sumpf der Ideenlosigkeit stecken. In so einer Situation kommt man sich ziemlich hoffnungslos vor, doch meistens hilft es, wenn man einfach mal in eine andere Richtung denkt. Gute Ideen stecken in uns allen, aber manchmal muss man eben in der hintersten Ecke des Gehirns suchen gehen.

In diesem Artikel zeige ich dir einige Tricks, wie du deine Ideenflaute überwinden kannst. So schwer ist das nämlich gar nicht J

Here we go <3

Freies Schreiben/Intuitives Schreiben

Hast du auch schon mal auf das leere Blatt gestarrt und dich gefragt: „Und jetzt?“

Damit ist jetzt Schluss. Im intuitiven Scheiben geht es darum, dass du schreibst und zwar ohne wenn & aber. Stelle einen Timer auf 20 Minuten und schreib. Dabei ist es völlig egal was du schreibst, du sollst einfach 20 Minuten lang den Stift nicht vom Blatt nehmen und dabei möglichst nicht denken.

Das ist eine gute Methode, um dem inneren Kritiker einfach mal das Maul zu stopfen und die Worte freizulassen.

Wenn die 20 Minuten um sind, lies das Geschrieben in Ruhe durch. Ziemlich sicher werden Dinge dabei sein, an denen du hängen bleibst. Ein guter Satz, eine seltsame Wendung, eine neue Figur…

Jene kannst du dir jetzt rauspicken, und mit ihnen weiterarbeiten.

Zufallswort/Satz

Eine ähnliche Methode wie das intuitive Schreiben. Du startest mit einem zufälligen Wort oder Satz und schreibst alles auf, was dir dazu einfällt.

Du kannst auch mehrere Worte nehmen und versuchen, sie alle in einer Handlung unterzubringen. Oder lass dir von jemandem einen Satz geben, setze ihn an die Spitze des Blattes und schreibe weiter. Du kannst dir auch von einem Online – Generator ein Wort geben lassen.

http://wortgenerator.interkohl.com/ Ein Generator für Fantasieworte

https://www.satzgenerator.de/ Ein Generator für absurde Sätze.

So kommen dir Ideen für eine Handlung, die du danach weiterentwickeln kannst.

Liste mit Lieblingsdingen & No-Go’s

Mach eine Liste mit 10 Dingen, die du an einer Geschichte wirklich gerne magst. Das können allgemeine Dinge sein wie komplexe Charaktere oder ein Happy End, oder auch konkrete, handlungsbezogene Sachen wie Zeitreisen oder Geheimnisse.

Dann, mach das Gegenteil. Liste 10 Dinge, die du in einer Geschichte nicht ausstehen kannst. Bei mir sind das zum Beispiel ausschweifende Landschaftsbeschreibungen, Überdosen an Kitsch und Verschwörungstheorien.

Versuche dann anhand der Liste eine Geschichte zu bauen. Sie muss nicht all deine Vorlieben beinhalten, muss aber auch nicht alle No-Go’s ausschliessen.

Benutze die Liste als Wegweiser zu einer Geschichte, die dir Spass macht.

„Warum? Und was wäre, wenn‘s anders wäre?“

Hinterfrage alles. Finde abstruse Erklärungen. Lass deine Gedanken Blödsinn machen.

Warum ist der Hund der beste Freund des Menschen? Ist er nicht. In Wahrheit wurden Hunde von einer extraterrestrischen Spezies gesandt um Daten über die Menschheit zu sammeln, welche bei der Invasion der Ausserirdischen von grossem Nutzen sein werden. (So viel zum Thema abstruse Erklärungen)

Was wäre wenn Marienkäfer die Weltherrschaft an sich reissen würden? Was würde passieren, wenn jedes Monster, dass sich ein Mensch je ausgedacht hat, plötzlich zum Leben erwachen würde?

Haben dir die Tipps gefallen? Hast du welche davon ausprobiert? Und was ist dein persönlicher Trick fürs kreativ – sein?

Erzähl mir doch in den Kommentaren davon :)

Alles Liebe,

Fatima