Sommer ist von gestern

Spätestens wenn man die Wollsocken wieder aus der Schublade nimmt, ist der Sommer vorbei. Der Fakt, dass besagte Wollsocken schon anfangs September wieder an meine Füsse wandern weist auf diverse Seltsamkeiten im Klima hin, aber das ist jetzt eigentlich nicht mein Thema.

Der Sommer ist vorbei. Und ich bin so froh.

Wieder den ganzen Tag drinnen herumhocken und in ein Buch starren, oder mir Buchstaben aus dem Gehirn klauben. Tee trinken ohne gleich in Hitzewallungen zu verfallen. Netflix-Marathon ohne tatsächliche Schweisstropfen.

Überhaupt lässt sich alles besser bewerkstelligen in der Abwesenheit hoher Temperaturen. Schreiben ganz besonders. Bei grosser Hitze habe ich das Gefühl, das mein Gehirn ein bisschen schmilzt, und das fühlt sich relativ beschissen an. Aber ich habe über den Sommer trotzdem an der Tastatur gesessen. Nur getippt habe ich langsamer. Gedacht auch.

Aber jetzt regnet es, die Tropfen schlagen an die Scheiben, wie wütende, kleine Mäusefäuste. Ich bin ganz zen.

Es ist Herbst.

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Warnhinweise zum Studium

Während du blauäugig in dein neues Leben als Student frohlockst, habe ich mich dem schwierigen Vorhaben zugewandt, dich auf einige Dinge vorzubereiten, die dich in deinem Studium erwarten werden. Also setz dich bitte hin, nimm dir deinen laktosefreien Caramel Macchiato Grande oder deinen Pulverkafi, je nachdem wie tief du schon im Studentendasein steckst, und lies dies Aufmerksam durch.

Die ersten paar Wochen werden schön sein. Du wirst jede Veranstaltung besuchen, die auf deinem Stundenplan steht und gewissenhaft Notizen machen. Doch dann fängt es langsam an. Ein Schatten fällt über deine Seele. Du wirst in zahllosen Vorlesungen sitzen, und dich fragen, was du eigentlich hier tust. Inwiefern ist es relevant, dass du dich in deinem Sprachstudium mit den verschiedenen Formen der Energiegewinnung auseinandersetzt? Es wird immer ein Mysterium bleiben.
Dasselbe gilt für einige Dozierende. Wer hat diesen Personen erlaubt, zu unterrichten? Man weiss es nicht.

Und dann diese Prüfungen. Wochen lang quetschst du dir Wissen in den Schädel, nur um ein paar Tage nach der Prüfung aufzuwachen, und zu bemerken, dass du in kürzester Zeit alles wieder vergessen hast. So viel zum Thema Bildung.

Beim nächsten Familienessen werden dir Sätze zuflattern wie: „Ihr Studenten habt es so schön“ und „Das Studium ist die schönste Zeit im Leben“ und dann füllst du dein Weinglas nochmal auf, und fragst dich, was für Abscheulichkeiten diese Welt noch zu bieten hat, sollte dies die schönste Zeit in deinem Leben sein.

Du wirst dich in ewige Diskussionen mit Lehrlingen wiederfinden, die es furchtbar unfair finden, dass sie als Lehrling nicht so verhätschelt werden wie du. Gratis Fitnesscenter! Unipartys! Und das alles fürs nichts tun!
Ich verspreche dir, das Argument „Aber du hast Ende Monat Lohn auf dem Konto!“, wird nicht ziehen. Es wird sie nur noch wütender machen.
Das liebe Geld ist auch so ein Thema. Du wirst nämlich kaum welches haben, ausser deine Eltern sind sehr spendierfreudig oder du opferst deine Freizeit für einen Job, was wahrscheinlich darin resultieren wird, dass du eines Abends auf dem Küchenboden hockst, in ein Plastiksäckli atmest und dich fragst: „Habe ich überhaupt noch ein Leben?“

Aber hey, das Studium ist die schönste Zeit, die du je erleben wirst! Viele Ferien, keine Arbeit, lange schlafen und so. Yay!

Bodys. Warum.

Trotz Schneegestöber im April bin ich guter Hoffnung, dass es bald Sommer wird. Also suchte ich gestern im Onlineshop meines Vertrauens nach hübschen Sachen für den Sommer.
Bald begann sich eine seltsame Begebenheit zu mehren: Ich sehe ein hübsches T-Shirt. Ich klicke darauf. Es ist kein T-Shirt. Es ist ein Body. Ein BODY.
Ja, genau, so ein Body wie in Babys eigentlich tragen. Die Onlineshops sind voll davon und in diversen Modemagazinen stehen Lobgesänge auf, ich zitiere: das supersexy Must-Have.

Aber ganz ehrlich: Ich verstehe das nicht ganz. Was ist sexy an einem Teil, das eigentlich vorrangig von Babys und Kleinkindern getragen wird? Zum Sport sind die Dinger vielleicht ganz praktisch, aber im Alltag?
Wie so ein Trottel habe ich mit der Zoomfunktion den Schritt dieses Kleidungsstücks angeschaut. Da waren keine Knöpfe.
Liebe Body-Träger_innen: Zieht ihr euch auf der Toilette dann einfach komplett aus? Oder tragt ihr Windeln? Oder sind Bodys nur für spezielle Glitzerprinzessinnen bestimmt, die nie aufs Klo müssen? Und überhaupt, das Ding schreit doch nach Cameltoe. Siehe die Körperhaltung der Dame oben. Die Arme lässig vor dem Schritt gekreuzt. Warum? Cameltoe. Garantiert.

Warum will man sowas tragen?

Liebe Body-Träger_innen: Erleuchtet mich.

#justdörflithings

Seit ein paar Jahren wohne ich nun schon in eher städtischem Gefilde. Ich habe fast ein bisschen vergessen, wie es so ist, in einem winzigen Dorf zu wohnen und erlebe manchmal einen regelrechten Kulturschock, wenn ich meine Familie besuchen gehe. Fragen tun sich auf.

Eine kleine Auswahl:

  1. Müsst ihr nirgendwo hin?
    Das Erste was mir Dorf jeweils auffällt wenn ich aus dem Zug steige ist die Gehgeschwindigkeit der Menschen. So. Langsam. Und sie gehen immer nebeneinander! Überholen unmöglich!
  2. Wer sind diese Menschen?
    Man geht nichts ahnend die Strasse entlang und jemand winkt. Und noch jemand. Eine mir fremde Person begrüsst mich mit Namen und fragt, wie es in der Uni so läuft. Ich bin ratlos.
  3. Gibt es hier keine Vegetarier?
    Habe letztens bei einem Familienessen im Dörflirestaurant einen Vegi-Teller bestellt. Hab auch einen bekommen. Mit Speck.

To be continued.

Viel Liebe,

Fatima

Worum es geht

Es geht um Perspektive, sagt man
Was du gewinnst, wenn du verlierst
Was du verlierst, wenn du dich wagst
Zu tun, wonach deine Seele verlangt

Es geht um Mut, sagt man
Welche Schritte man tut und welche nicht
An welche Tür man klopft
Wenn sich eine andere geschlossen hat

Es geht um Vertrauen, sagt man
Das dich ein Netz auffängt, wenn du fällst
Aber fallen
Musst du selber

Es geht um Liebe, sagt man
Lernen, das Mädchen im Spiegel zu mögen
Mit ihr gemeinsame Sache zu machen
Ein Leben lang

Das wahre Gesicht

Es ist ein morgendliches Ritual
Die Fläschchen, die Tiegel, die Pinsel
Meine Haut, die Leinwand
Wer bin ich heute
Täuschung oder Kunst

An manchen Tagen Maske
Übermale, wie wenig ich tatsächlich schlafe
Rosige Wangen
Als hätte mich die Sonne ein wenig verbrannt
Es regnet seit Wochen

An manchen Tagen Kriegsbemalung
Die breiten, schwarzen Linien
Come at me, ich vertrag’s
Das ist kein Lippenstift
Das ist das Blut meiner Feinde

Es ist ein abendliches Ritual
Kaltes Wasser, Öl und Tuch
Die Entfernung der Schichten
Das Lüften der Wahrheit
Das wahre Gesicht

 

 

 

 

Bildquelle: babi

Jemand anders – Home from Home

Es ist ein dumpfer Moment, wenn du erkennst, dass die Stadt, die du die letzten Jahre hinweg in liebender Erinnerung behalten hast, eigentlich ziemlich langweilig ist.

Ich bin mit einer Freundin hier. Als wir noch jünger waren, frisch ins Teeniealter gestolpert, waren wir oft hier. Doch damals waren wir noch jemand anders.
Wir waren leicht zu beeindrucken, hatten doch noch kaum etwas von der Welt gesehen. Es war Sommer und wir verbrachten Wochen in abgelegenen Dörfern irgendwo in Österreich um zu schreiben.

Wie klammerten uns an die Inspiration, die immer mal wieder vorbeischaute, aber uns so oft durch die Finger zu gleiten schien. Wir lasen uns Geschichten vor, mit mehr oder weniger fester Stimme, uns wappnend vor Kritik. Und zwischen all dem wurden unsere Freundschaften enger, bedeutender.

Wir wuchsen zwischen Worten und Absätzen, legten jede Zeile auf die Goldwaage. Erzählten uns von wilden Träumen und Geschehnissen, aber stets darauf bedacht keine billigen Phrasen zu verwenden. Ausgemerzte Füllwörter zwischen nächtlichen Geständnissen und frühmorgendlichem Frust.

Zusammen wurden wir, wer wir sind.

Bildquelle: Costel Slincu